Gusseisen: Heavy Metal für den Genuss

Gusseisen ist mehr als nur Schmelzöfen, Glut und riesige Fabriken. Denn gern wird übersehen, das dieses traditionsreiche Material auch beim Grillen oder in der Küche noch immer seine Vorzüge hat. Also Zeit für eine kleine Materialkunde!

Den meisten ist dieser Werkstoff und seine Eigenschaften relativ egal, oft sogar unbekannt. In unserer hochtechnologischen, digitalen Welt haben wir kaum noch Berührungspunkte mit Metallen. Doch spätestens, wenn Du einen Grill anwirfst und ein Stück bestes Kobe-Beef zubereitest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du mit Gusseisen in Berührung kommst. Der Werkstoff hat nicht nur eine lange Geschichte, sondern ist auch in der Küche noch immer hochaktuell. Seine spezifischen Materialeigenschaften machen ihn zum perfekten Ausgangsmaterial für Töpfe, Pfannen und natürlich Grillroste. Also schauen wir uns diesen Werkstoff doch einmal genauer an.

Geschichtliches

Das Gießen von Metallen ist eines der ältesten Fertigungsverfahren überhaupt. Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. wurden in Vorderasien und Indien Waffen und Kultgegenstände aus Kupfer gegossen. Viel brauchte man nicht für dieses Verfahren. Feuer, Kupfer und Gussformen reichten, um Schwerter oder Schmuck in Serienproduktion auf den frühen Markt zu werfen. Bei uns in Europa wurde vor allem ab dem 12. Jahrhundert nach Christus verstärkt wieder Metall geschmolzen, um daraus Gegenstände zu gießen. Vor allem Kriegserzeugnisse waren die treibende Kraft. Gegossene Geschützrohre und Kanonenkugeln sind Zeugnisse der frühen Gießereibestrebungen. Mit der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Eisenguss durch das Hinzufügen diverser Legierungen zu einem probaten Verfahren, um den stetig steigenden Bedarf an Maschinenteilen, Gebrauchsgegenständen und auch Waffen kosteneffektiv zu decken.
Heutzutage verrichten Gussteile als hoch spezialisierte Elemente im Maschinen- und Anlagenbau, der Fahrzeugindustrie und in vielen Alltagsgegenständen ihren Dienst. Auch in der Küche, wo ein Gusseisen Topf auf jedem guten Herd steht. Und natürlich auch auf Terrassen und in Gärten, denn ein Gusseisen Grillrost ist noch immer Standard.

Gusseisen Herstellung

Das Leben eines jeden Werkstücks aus Guss beginnt in einem Schmelzofen. Dort werden Ausgangsmaterialien wie Gießereiroheisen, Stahlschrott, Gussbruch und Ausschuss-Gusstücke sowie Legierungselemente bei extrem hohen Temperaturen jenseits der 1000° Celsius eingeschmolzen. Je nach Gusseisenart werden dabei unterschiedliche Ofentypen verwendet. Nach dem Schmelzen wird die glühende Rohmasse in Form gewalzt oder gepresst und an weiterverarbeitende Betriebe verschickt.
Allen Gusseisentypen ist eines gemein: sie enthalten hohe Anteile an Kohlenstoff und Silicium. Durch die Form, in der Kohlenstoff im Gusseisen vorkommt, wird nach grauem Guss und weißem Guss unterschieden. Bei grauem Guss liegt der Kohlenstoff als Graphit, bei weißem Guss als Zementit vor.
Für die Herstellung von einem Gusseisen Grillrost kommt nur der graue Guss in Frage. Bei Grauguss bildet das Graphit innerhalb des Gefüges mikroskopisch kleine, blättchenförmige Lamellen. Sollte ein Topf oder ein Grillrost aus Lamellengrafit zerbrechen, ist dies an der Bruchkante zu erkennen. Teile aus Grauguss schimmern an der Bruchkante immer leicht gräulich.

Die Vorteile für Grill und Küche

Grauguss wird in der Küche deshalb so geschätzt, weil es ein Werkstoff mit hervorragender Wärmeleitfähigkeit ist. Die Hitze wird bis zu viermal schneller an das Gargut weiter gegeben. Das Essen wird in einem Gusseisen Topf einfach schneller heiß als in günstigeren Töpfen aus Aluminium oder Stahl. Aus demselben Grund ist auch eine Gusseisen Pfanne besser als die Kollegen aus Edelstahl oder Aluminium.
Zudem verfügen Töpfe, Pfannen oder Grillroste aus Guss über die Fähigkeit, Wärme lange zu speichern. Das Essen bleibt länger warm. Gerade bei einem Topf macht das Sinn, denn das spart Energie.
Weiterer Vorteil: Bei der Zubereitung von Speisen kann auf die Zugabe von Fett verzichtet werden. In einer Gusspfanne wird nichts anbrennen, sofern korrekt damit umgegangen wird.

Pflege und Reinigung

Utensilien aus Guss müssen nicht mit chemischen Reinigern behandelt werden. In der Regel genügt ein Auswischen mit einem saugfähigen Küchenpapier. Und solltest du zufällig einen gusseisernen Topf deiner Oma geerbt haben, dann kennst Du noch einen weiteren Vorteil: die Dinger sind nahezu unzerstörbar und können bei guter Pflege ein Leben lang halten.
All diese Vorteile erklären auch, warum die sogenannten „Dutch Oven“ im Wilden Westen einst so populär wurden und es bis heute sind. Übrigens: Falls Du überlegst, selber einen Dutch Oven zu kaufen, dann lies erst unseren Dutch Oven Test!

Die Nachteile

Es gibt leider auch einige Nachteile bei gusseisernen Gerätschaften für Küche und Grill. Denn Eisen hat eine bekannte Eigenschaft: es rostet. Daher ist es bei neuen Pfannen, Töpfen und Co. aus Gusseisen wichtig, dass sie „eingebrannt“ werden.
Guss ist darüber hinaus vergleichsweise schwer, der richtige Umgang mit Töpfen und Pfannen will gelernt sein. Besondere Vorsicht solltest du beim Reinigen deines Grillrosts walten lassen. Da Guss ein sehr sprödes Material ist, verzeiht es keine Stürze. Anders als Edelstahl gibt es bei einem unbeabsichtigten Kontakt des Grillrosts mit dem Boden keine unschönen Macken, sondern die Chance ist groß, dass der Grillrost dann zerbricht.
Abschließend noch das Preisargument. Der Anschaffungspreis ist hoch. Wenn man aber beim Kauf bedenkt, dass eine gusseiserne Pfanne bis zur Rente halten kann, dann relativieren sich die hohen Kosten.

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