Wildcampen im Freien: Wo ist es erlaubt, wo nicht?

Das weite Himmelszelt über dir, das offene Lagerfeuer vor dir: Eine große Portion Romantik, Freiheit und Abenteuer haftet dem Wildcampen im Freien an. Aber: Ist Wildcamping überhaupt erlaubt? Und wenn ja – wie und wo?

Ob imposante Berge, geheimnisvolle Wälder, stille Seen oder die weite Küste: Durchaus nachvollziehbar, wenn manch einer das unverfälschte Naturerlebnis sucht. Morgens nur von Wind, Vogelgezwitscher oder dem Plätschern eines Baches geweckt zu werden, ohne dass eine menschliche Stimme oder sonstige „Errungenschaften“ menschlicher Zivilisation die Ruhe stören – das ist ein einzigartiges Erlebnis, das man nur beim wild camping in der Abgeschiedenheit der Natur erleben kann, abseits von offiziellen Campingplätzen.

Wildcampen in Deutschland

Die schlechte Nachricht: In Deutschland ist wild zelten offiziell verboten. Die gute Nachricht: Es gilt nur als Ordnungswidrigkeit und nicht als Straftat. In Deutschland bewegst du dich also auf einem schmalen Grad zwischen Landfriedensbruch und Duldung. Oder, um es anders zu sagen: Ob Du geduldet wirst, hängt vor allem von deinem Verhalten in der freien Natur ab. Wenn du dich an grundsätzliche Regeln hältst, vermeidest du größeren Ärger, falls du beim wild campen erwischt wirst.

Die wichtigsten Regeln

In der Natur bist du ein Gast, der wiederkommen möchte. Hinterlasse also den Platz, an dem du dein Zelt aufgeschlagen hast, so als wäre es dein eigener Garten. Keine zertretenen Pflanzen, kein liegen gelassener Müll weisen auf deine Anwesenheit hin. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass du kein Lagerfeuer machst. Und Du bist leise, um Tiere nicht zu stören. Laute Partys oder anderer Lärm haben in der Wildnis ebenfalls nichts verloren.
Wildcampen in Naturschutzgebieten und Parks ist ebenso Tabu wie wildes Zelten auf Privatgeländen und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ob eine Wiese in Privatbesitz ist, siehst du natürlich nicht, wenn sie weder eingezäunt noch durch ein Schild markiert ist. Sollte der Besitzer unverhofft auftauchen und dich auffordern zu gehen, hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du redest dich heraus, dass du es nicht gewusst hast und packst deine Sachen. Oder du bittest freundlich um sein Einverständnis, für eine Nacht bleiben zu dürfen.

Auch der Förster und die Polizei sind natürlich befugt, dich zu vertreiben. Auch hier gilt: Bleibe freundlich, dann wird wegen des Ordnungsgeldes vielleicht ein Auge zugedrückt. Wie streng wildcampen ausgelegt wird, hängt in Deutschland auch von dem Bundesland ab. Übrigens: Biwakieren, also übernachten nur mit Isomatte und Schlafsack unter freiem Himmel, aber ohne Zelt, ist nicht strafbar.

Grillen oder Lagerfeuer kann teuer werden

So reizvoll sich ein prasselndes Lagerfeuer oder ein Grill vor dunklem Nachthimmel auch ausmacht: Offenes Feuer ist im Wald und am Waldrand verboten. Das gilt gleichfalls für Camping-Gas-Kocher, Kerzen usw. Viel zu leicht kann sich ein Feuer ungewollt ausbreiten. Wie oft waren schon achtlos weggeworfene Zigaretten für Waldbrände verantwortlich? Wenn dein Feuer außer Kontrolle gerät, hast du schnell eine Anzeige wegen Brandstiftung sowie ein hohes Bußgeld am Hals. Solltest du dennoch aufs Kaffeekochen oder das Aufwärmen einer Dose nicht verzichten wollen, dann muss die Feuerstelle klein bleiben, durch Steine von außen abgesichert sein, und möglichst auf einer nicht brennbaren Unterfläche wie Kies oder Sand angelegt werden. Gefüllte Wasserflaschen solltest du immer griffbereit haben. Denn durch einen Windstoß entsteht schnell mal Funkenflug. Und denk daran, hinterher deine Feuerstelle gut zuzuschütten.

Wildcampen in Europa

Wenn Du wild campen willst, lohnt ein Blick über die Grenzen Deutschlands. Ein wahres Eldorado für das Zelten in freier Natur ist Schweden, gefolgt von Norwegen. Das sogenannte „Jedermannsrecht“ erlaubt es sogar auf Privatbesitz für eine Nacht zu bleiben. Überall dort, wo du zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Kanu hinkommst, ist es dir erlaubt dein Zelt aufzuschlagen. So schön das ist, mit ein paar Regeln musst du dich aber auch hier anfreunden. In Sichtweite eines Wohnhauses musst du den Besitzer um Erlaubnis bitten, wenn du auf seinem Grund übernachten willst. Offenes Feuer ist dort verständlicherweise verboten, und den Platz sauber zurückzulassen versteht sich von selbst. Camper und Wohnwagen dürfen auf allen öffentlichen Parkplätzen, Straßenenden und sogar am Strand für eine Nacht abgestellt werden.
In Dänemark ist das wildcampen nur in einigen speziell ausgewiesenen Wäldern ausdrücklich gestattet. Wirst du beispielsweise am Strand erwischt, droht dir eine empfindliche Geldbuße. Noch strenger geht es in den Niederlanden und in Belgien zu. Dort ist nur an ausgewiesenen Stellen das wilde Campen erlaubt. Alternativ kannst du höchstens auf einen kostenpflichtigen Campingplatz ausweichen.

In klassischen Urlaubszentren ist man strenger

Klar, vor allem in mediterranen Urlaubsregionen in Strandnähe oder nahe bei Sehenswürdigkeiten will die dortige Hotel- und Tourismusindustrie Geld verdienen. Wildcampen ist in touristischen Hochburgen so gut wie unmöglich. Allerdings sind in Ländern wie Italien oder Griechenland die Einheimischen an Touristen gewöhnt. In abgelegeneren Regionen kann es sich daher schon mal lohnen, den Besitzer eines schönen Grundstücks ausfindig zu machen und zu fragen.

Fazit

Wildcampen im Freien kann sich durch Unbedarftheit und Ignoranz schnell von einer harmlosen Ordnungswidrigkeit zu Hausfriedensbruch oder Brandstiftung entwickeln. Nicht nur aus Rücksicht auf die Natur und andere Menschen, sondern auch, um nicht selbst in Schwierigkeiten zu geraten, ist es deshalb notwendig, dass Du dich an genannte Regeln hälst und über die aktuelle Rechtslage im jeweiligen Land informierst. Bleibe freundlich und umsichtig, dann sind die Chancen besser, dass auch der strengste Grundeigentümer oder Behördenvertreter ein Auge zudrückt.

Denn: Sind nicht letztlich auch wir Menschen nur ein Teil der Natur?

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